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Liebe Leserinnen und Leser des Newsletters!
Kleine Dinge haben eine große Macht und mit kleinen Schritten fangen große Bewegungen und Veränderungen an.
Ein afrikanisches Sprichwort sagt: „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, werden das Gesicht der Welt verändern.“
Für mich ist das ein Hoffnungswort. Es ermutigt und überwindet Resignation. Wie oft sagen die Menschen: „Das nützt ja doch nichts!“ „Was soll ich denn da ändern?“ „Die da oben müssen doch …!“ „Das macht doch keiner so …!“ Wir leben in einer Zeit, in der das Gefühl der Ohnmacht Menschen verzweifeln lässt und lähmt.
Ich bin davon überzeugt: wenn viele Menschen an je ihrem Ort das in ihrer Macht und Kraft Stehende tun, wird sich die Welt verändern. Das Sprichwort sagt: „Du kannst die Welt verändern … Du kannst bei Dir anfangen, mit kleinen Schritten, mit der Entscheidung, etwas anders zu machen, und heute damit zu beginnen. Du kannst Dich mit anderen zusammentun und erleben, wie ihr miteinander wirksam werdet.“
Als Jesus gefragt wird, wie Gottes Reich kommen wird, erzählt er die Geschichte vom winzig kleinen Senfkorn, aus dem nach und nach wie von selbst ein großer Baum wird. (Matthäus 13,31-32) Handlungen, Dinge, die die Welt verändern, beginnen oft klein und unspektakulär. Viele Veränderungen, die uns helfen, unsere Welt neu zu denken und zu gestalten, haben scheinbar unbedeutend begonnen und sind dann langsam und stetig gewachsen. Gottes Schöpfungskraft wirkt auf sehr unterschiedliche Weise.
Ein Beispiel, wie kleine Dinge die Welt grundlegend verändern und Menschen helfen, neue Lösungen für Probleme zu finden, ist die Geschichte des Pfarrers Friedrich Wilhelm Raiffeisen. In den fünfziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts gründete er in seinen Dörfern auf dem Hunsrück einen Darlehensverein, um den verarmten Bauern zu helfen. Damit begann die weltumspannende Bewegung der Genossenschaftsbanken. Die Idee, dass die „kleinen“ Menschen füreinander da sind und einander mit Krediten helfen, trägt bis heute. Gegenseitige Hilfe und gemeinsames Wirtschaften bringt in aller Welt als Genossenschaftsbewegung Menschen zusammen. In vielen ärmeren Ländern bekommen Kleinbauern und Handwerkerinnen aus einem gemeinsamen Fonds Kleinkredite und können sich so eine eigene Existenz aufbauen, ihre Armut überwinden und wieder anderen Menschen weiterhelfen. Wenn viele sich zusammentun und jeder und jede das ihm oder ihr Mögliche dazugibt, verändert das die Welt. Gemeinschaft macht stark und öffnet die Zukunft.
Der Beitrag zu einer gerechteren Welt, den eine leistet, die Idee für ein besseres Miteinander, die einer umsetzt, die Ohnmacht, die einige überwinden und bei sich anfangen, das sind die kleinen Schritte, die die Zukunft für alle Menschen offenhalten. Und alles das fängt nicht „da oben“ an, sondern klein und machtvoll bei dem oder der Einzelnen.
Ich glaube, Gott freut sich über unsere Anfänge, unser Nachdenken und unser Handeln. Gott gibt dem Kleinen die Kraft, mit der es wachsen und sich entfalten kann, so wie ein Samenkorn, das wächst und gedeiht, blüht und Früchte trägt, damit das Gute in der Welt immer mehr Raum bekommt.
Pfarrerin Angelika Scholte-Reh
Evangelische Kirchengemeinde Kroppen |