Was uns bewegt – Blog des Evangelischen Kirchenkreises Schlesische Oberlausitz

Ökumenische FriedensDekade 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist wieder FriedensDekade-Zeit …

Das diesjährige Motto „couragiert widerständig“ erinnert mich an die Frühzeit der FriedensDekade in den 80er-Jahren in der DDR.

Wir Jugendlichen nähten uns das auf Vlies gedruckte Symbol auf die Jacken und brachten damit unsere Überzeugung zum Ausdruck, dass der sozialistische Slogan „Frieden schaffen ohne NATO-Waffen“ etwas zu kurz gedacht war. Beide Blöcke müssen abrüsten. Auch die SS-20 (atombombenfähige sowjetische Raketen) sind gleichermaßen gemeint.

Entsprechend gab es eine scharfe staatliche Reaktion. Mir wurde vom damaligen Direktor der Görlitzer Berufsschule Ossietzky-Straße mitgeteilt: Wenn ich die Jacke mit dem Aufnäher nicht zu Hause lasse, ist meine Lehrausbildung als Elektriker beendet. Rechtliche Grundlagen? So etwas braucht er nicht.

Und bei der Heimfahrt von einem Wanderurlaub in der Hohen Tatra wurde ich bei der Passkontrolle in Zittau aus der Reihe geholt, in einer Bahnhofsbaracke „verhört“ und dann mit dem Polizeiauto zum Präsidium gefahren – flankiert wie ein Schwerverbrecher von zwei Polizisten.

Hier wurde das Verhör fortgesetzt. Ein Vorwurf: Es wäre ein faschistisches Motiv. Da aber die abgebildete Skulptur von einem sowjetischen Künstler stammt, die 1957 an die UNO in New York verschenkt wurde, fiel die Drohkulisse schnell in sich zusammen.

Der Aufnäher wurde sorgsam von einer Mitarbeiterin abgetrennt (andere Jugendliche hatten da weniger Glück) und ich konnte nach 4 Stunden nach Görlitz weiterfahren.

Zu Hause wurde aus dem Vorrat ein neuer Aufnäher an der gleichen Stelle wieder platziert …

„couragiert widerständig“ – dieses Motto ist auch heute noch zeitgemäß.

„Es fordert alle heraus, sich für gewaltlose Wege zu engagieren. Es fordert zu Zivilcourage auf, zur wohl schönsten Form des Widerstands. Es fordert auf, der Logik der Sicherheit, der Sprache der Gewalt zu widerstehen. Es fordert dazu auf, uns immer wieder vom Friedenszeugnis Jesu aufrütteln, verunsichern, hinterfragen – aber auch orientieren, bestärken, befrieden zu lassen.“ (Regionalbischöfin Friederike Spengler, Erfurt)

Das diesjährige Plakat zeigt zwei Tauben, die an einer Betonmauer vorbeifliegen. Gedanken zu diesem Bild finden Sie unter folgendem Link:

Meditation zum Titelbild der FriedensDekade 2026 (Diakon Tobias Petzoldt)

In einigen Gemeinden in unserem Kirchenkreis finden wieder Friedensgebete am Abend statt. Herzliche Einladung dazu!

„Ora et labora“ – gewiss gibt es dabei ganz persönliche Anregungen, wie aus dem Gebet eine Ermutigung zum Handeln erwächst.

Bleiben Sie / werden Sie daher „couragiert widerständig“!

Pfarrer Jörg Michel

Evangelische Gesamtkirchengemeinde Markersdorf – Königshain