Was uns bewegt – Blog des Evangelischen Kirchenkreises Schlesische Oberlausitz

„Mitbürger der Heiligen“

Am 1. November wird der Gedenktag der Heiligen begangen. Viele verbinden diesen Tag vor allem mit der katholischen Kirche. Dabei gehört das Gedenken der Heiligen zum gemeinsamen Erbe der Christenheit. Schon in den ersten Jahrhunderten erinnerten sich christliche Gemeinden an Menschen, die ihren Glauben besonders eindrücklich gelebt hatten. Die Reformation hat dieses Gedenken nicht abgeschafft, sondern neu eingeordnet: Heilige sind keine Mittler zwischen Gott und uns. Christus allein ist unser Mittler. Zugleich können uns Menschen, die vor uns geglaubt haben, Orientierung und Ermutigung sein. Im Neuen Testament bezeichnet Paulus ganze Gemeinden als „Heilige“. Heiligkeit bedeutet dort nicht Vollkommenheit. Heilig ist, wer zu Gott gehört.

Im Epheserbrief heißt es: „Ihr seid nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“

Diese Gemeinschaft reicht weit über unsere eigene Zeit hinaus. Wir können an Elisabeth von Thüringen denken, die ihren Glauben in der Fürsorge für Arme und Kranke lebte. An Franz von Assisi, dessen radikale Hinwendung zu Christus bis heute bewegt. Oder an Dietrich Bonhoeffer, der Glauben und Verantwortung nicht voneinander trennte.

Keiner dieser Menschen war vollkommen. Gerade deshalb sind sie uns nahe. Entscheidend ist nicht ihre Fehlerlosigkeit, sondern dass in ihrem Leben etwas vom Evangelium sichtbar wurde. Daneben stehen unzählige Menschen, deren Namen längst vergessen sind und die dennoch Gemeinden getragen, Menschen begleitet und ihren Glauben weitergegeben haben.

Der Gedenktag der Heiligen erinnert uns deshalb an zwei Fragen: Wer hat meinen Glauben geprägt? Und was geben wir selbst weiter?

Denn auch wir gehören zu dieser langen Geschichte des Glaubens – als „Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen“.

Pfarrer Kevin Houghton

Evangelische Versöhnungskirchengemeinde Görlitz