Was uns bewegt – Blog des Evangelischen Kirchenkreises Schlesische Oberlausitz

Radikal – aus Liebe

Am 3. Oktober 1226, vor 800 Jahren, starb Franz von Assisi. Sein Leben bewegt bis heute.

Franziskus nahm Jesus beim Wort. „Verkaufe, was du hast.“ – „Nimm nichts mit auf den Weg.“ – „Folge mir nach.“ Solche Worte blieben für ihn keine schönen Gedanken. Sie wurden zu einer Lebensform.

Dabei hatte seine Radikalität nichts Kaltes oder Verbissenes. Franziskus wollte nicht ärmer sein als andere, um sich selbst etwas zu beweisen. Im Zentrum stand für ihn Christus. Und je entschiedener er Christus nachfolgte, desto weiter wurde sein Herz.

Er suchte die Nähe zu den Armen und zu den Aussätzigen, vor denen er sich früher geekelt hatte. Mitten im Kreuzzug begegnete er dem muslimischen Sultan. Im Sonnengesang nennt er Sonne, Wasser, Feuer und Erde Bruder und Schwester. Die ganze Schöpfung wird für ihn zu einer Gemeinschaft vor Gott.

Vielleicht liegt darin etwas Entscheidendes: Christliche Radikalität zeigt sich nicht darin, dass ein Mensch hart wird, sondern darin, dass seine Liebe größer wird.

Es gibt auch eine Radikalität, die eng macht, schnell urteilt und genau weiß, wer dazugehört und wer nicht. Bei Franziskus begegnet uns etwas anderes. Seine Entschiedenheit führt ihn nicht weg von den Menschen, sondern zu ihnen. Nicht weg von der Welt, sondern zu einem neuen Staunen über Gottes Schöpfung.

800 Jahre nach seinem Tod bleibt deshalb eine Frage: Wohin führt uns unsere Nachfolge?

Wenn sie wirklich zu Christus führt, müsste sie uns zugleich näher zu Gott, näher zu den Menschen führen und achtsamer gegenüber seiner Schöpfung machen.

Denn Glaube wird nicht dadurch radikal, dass er lieblos wird. Er wird radikal, wenn die Liebe bis an die Wurzel unseres Lebens reicht.

Pfarrer Heinrich Koch

Evangelische Johanneskirchengemeinde Hoyerswerda