Was uns bewegt – Blog des Evangelischen Kirchenkreises Schlesische Oberlausitz

„Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.“ Lukasevangelium 12, 48b.

„Hauptsache viel!“ Das hört man gerne von Teenagern, die gerade dabei sind, sich ein Gericht aus der Speisekarte auszusuchen. Ja, „Es darf ruhig ein bisschen mehr sein!“ „Man gönnt sich ja sonst nix!“ Viel zu bekommen, viel zu haben ist eine Verheißung unserer Wohlstandsgesellschaft. Viel verspricht Glücklichsein.

Bei Jesus geht es in diesem Gleichnis nicht darum, viel zu wollen, da ist ja schon viel. Und das führt zu der Frage, wie wir mit dem Vielen, was wir haben, umgehen, also Verantwortung übernehmen?

Was mache ich mit meinen Gütern, meinen Talenten, meinen Kräften, meiner Zeit? Ist das alles nur für mich? Habe ich wirklich alles selbst verdient, was ich so besitze, was mir zur Verfügung steht? Brauche ich niemandem dankbar zu sein? Bin ich niemandem etwas schuldig, und sei es aus reiner Fairness? Wirklich nicht?

Da kommt man nach Jesus nicht mit der Behauptung weg: „Das habe ich mir verdient!“ Jesus erinnert uns: Von deinen Gütern ist vieles auch voraussetzungslos geschenkt, von Gott, von glücklichen Lebensumständen und anderem. Zumindest steht einem ja Friede, Ordnung, Infrastruktur, Bildungs- und Gesundheitswesen zur Verfügung.

Demnach müssen wir damit rechnen, dass die Augen anderer sich mit Recht auch auf uns und unser Haben, unsere „Macht“, richten und fragen: Was mach(s)t du damit? Wie soll es nützen, wie soll es dienen und wem?

Wer etwas in die Hände gelegt bekommt von Gott oder anderen Mitmenschen, wie ein Amt oder ein hohes Einkommen, bekommt es nicht, um es nur fürs eigene Glück zu nutzen oder zu verprassen. Das in die Hände Gelegte ist Substanz, die dem Leben dienen will. Und wer viel bekommt, der kann und der soll dann auch vielem Leben dienen.

Reichensteuer – Neiddebatte? Reichensteuer bremst nur die Konjunktur? Die Reichen zahlen ja eh schon genug Steuern? Die wandern doch mit ihrem Reichtum sonst nur in eine Steueroase aus? Ist damit die Steuerdebatte vom Tisch? Sind das taugliche Argumente?

Jesu Gleichnis von den anvertrauten Pfunden beschneidet solche Begabten oder Hochbegabten nicht. Sie sollen sich ruhig entfalten, all ihre Fähigkeiten gerne zum Blühen bringen. Sie müssen sich nicht zurücknehmen. Das hat Gott ja so gewollt, als er sie mit Talenten begabt hat. Allerdings sollen sie nicht nur für sich blühen. Das Erwirtschaftete soll nicht nur ihnen gelten, sondern auch den Anderen, denen, die mit ihnen unterwegs sind, die ja auch ihren Teil dazu beitragen, dass deren Talente zum Blühen kommen. Und es soll auch denen gelten, die Unterstützung brauchen, weil ihnen die Gesundheit, das Glück, das Talent und auch die Strukturen nicht so hold waren wie denen, denen anscheinend alles gelingt.

Inmitten der Ungleichheit der Begabungen mahnt Gott ein friedenstiftendes und gerechtes Miteinander an und kein Gegeneinander, in dem der nicht so Begabte dem Begabten immer nur Platz machen muss und irgendwie lernen muss, mit den Brotkrumen vom Tische des Reichen zu überleben.

Eine gerechte Welt ist die, in der ich angemessen von dem etwas weitergebe, was ich erhalten habe. Das hat nichts mit Neid zu tun, das hat mit Demut und Dankbarkeit zu tun. Das hat etwas mit Frieden und Gerechtigkeit vor der eigenen Haustür und in der Welt zu tun. Deshalb setzt sich Jesus so dafür ein – denn das ist Gottes Wille mit uns und für uns.

Pfarrer Christoph Wiesener

Evangelische Kirchengemeinde Meuselwitz-Reichenbach / OL