Neid
„Du sollst nicht begehren…!“ – Ein Kinderzimmer voller Spielsachen, aber das einzige wirklich interessante Spielzeug ist das, mit dem der Bruder gerade spielt. Neid stiftet Streit – nicht nur im Kinderzimmer.
„Wo Neid und Streit ist, da sind Unordnung und lauter böse Dinge.“ Jakobus 3,16
Neiddebatten durchziehen auch unser gesellschaftliches Leben. Die einen fordern eine Übergewinn- und eine Erbschaftsteuer, oft ohne zu unterscheiden zwischen Privat- und Betriebsvermögen, die anderen schimpfen auf Flüchtlinge und Bürgergeldempfänger, die sich’s in der sozialen Hängematte bequem machen, während man selbst sich seine Brötchen verdienen muss.
Der französische Religionsphilosoph René Girard erkannte im neidischen Begehren eine Grundursache menschlicher Konflikte. Wir begehren das Schöne, ob es nun eine Frau, ein Mann oder ein Auto ist, nicht um seiner selbst willen, sondern weil es uns durch den anderen begehrenswert wird. Eigentlich brauchen wir es oft nicht einmal, aber der Neid treibt uns weiter und weiter. Im Kinderzimmer fliegen dann schnell die Fäuste. In der Gesellschaft kommt es zur Spaltung. Können wir als Christen diesem Sog widerstehen? Jakobus schreibt weiter:
„Die Weisheit aber von oben her ist zuerst lauter, dann friedfertig, gütig, lässt sich etwas sagen, ist reich an Barmherzigkeit.“ Jakobus 3,17
Wenn wir auf den für uns Gekreuzigten schauen, erkennen wir Gottes Güte und Barmherzigkeit. Dann müssen wir uns nicht ständig mit anderen vergleichen. Wir dürfen dankbar annehmen, was Gott uns gibt, und dem anderen gönnen, was ihm geschenkt ist. So verliert der Neid seine Macht, und Frieden kann wachsen.
Pfarrer Heinrich Koch
Evangelische Johanneskirchengemeinde Hoyerswerda






