Herzlich willkommen im Blog des Evangelischen Kirchenkreises Schlesische Oberlausitz

Es ist früh am Morgen im Schleifer Kirchspiel. Es ist nicht irgendein Morgen: Es ist der Ostermorgen. Noch liegen Dunkelheit und eine kühle Stille über den Dörfern, doch bald wird sie durchbrochen: Frauen in sorbischer Tracht gehen durchs Dorf. Sie singen! Ihre Stimmen tragen weit durch die Straßen, wenn sie die alten sorbischen Choräle der Auferstehung singen. Es ist ein Klang, der nicht nur gehört, sondern gespürt wird.

Früh um sieben treffen sich die Ostersängerinnen dann auf dem Friedhof in Rohne. Zwischen den Gräbern, dort, wo Menschen Abschied genommen haben, erklingt bei der Auferstehungsandacht die zentrale Botschaft des Osterfestes: Jesus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Das Leben ist stärker als der Tod. Inmitten von Erinnerungen an Abschied und Tod wird so ein Zeichen der Hoffnung gesetzt, das weit über diesen Morgen hinausreicht.

Dieser einzigartige Gesang der Ostersängerinnen ist für mich persönlich sehr berührend. Denn in ihm verkörpert sich ein tiefer Glaube – der Glaube daran, dass mit dem Tod nicht alles endet. Dass es mehr gibt als das, was wir sehen und begreifen können. Dass das Leben eine Perspektive hat, die über das Hier und Heute hinausgeht.

Dabei führt uns der Weg zu Ostern zunächst durch die Dunkelheit. In der Karwoche gehen wir noch einmal durch die tiefsten Dimensionen menschlicher Existenz. Am Gründonnerstag wird das letzte Abendmahl gefeiert – das letzte Essen Jesu vor seinem Tod, ein Moment der Gemeinschaft und zugleich des Abschieds. In der Nacht folgt sein Ringen im Garten Gethsemane, sein Leiden, sein Klagen, seine Angst.

Am Karfreitag schließlich die Todesstunde. Ein Tag, der schwer auf vielen lastet. Und genau hier bleiben in unserer Region viele stehen. Gott und Jesus – tot. Es scheint, als gäbe es keine Hoffnung mehr. Schwarz. Ende. Nichts. Kein Ausblick, keine Ewigkeit. Und ich frage mich: Wie kann man mit dieser Perspektive leben, die das Leben auf das Hier und Jetzt begrenzt und keine Hoffnung darüber hinaus zulässt?

Für mich als Christin endet die Geschichte nicht am Karfreitag. Es kommt der Ostermorgen. Das Fest der Auferstehung. Der Neubeginn des Lebens. Ostern bedeutet: Das Leben hat das letzte Wort. Hoffnung ist stärker als Verzweiflung. Und genau das wird spürbar – im Gesang der Ostersängerinnen, im Licht des Ostermorgens, in der Gewissheit, dass selbst aus der tiefsten Dunkelheit neues Leben entstehen kann.

Ich wünsche Ihnen eine fröhliche und segensreiche Osterzeit!

Ihre Pfarrerin Jadwiga Mahling

Evangelische Kirchengemeinde Schleife