Liebe Newsletter-Fans,
es ist wieder „Interkulturelle Woche“! Haben Sie schon irgendwo eine Werbung oder Anzeige für eine Veranstaltung gesehen?
Wenn nicht, hat das vielleicht Gründe … in unserer medialen Wahrnehmung. Erwiesenermaßen lassen sich schlechte Nachrichten besser verkaufen als gute. So hören wir von erschreckenden Wahlergebnissen, nicht enden wollenden Kriegen … und das Benzin bleibt teuer. Wir verharren wie erstarrt bei diesen Hiobsbotschaften. Die Interkulturelle Woche will uns da herauslocken zum Tätigwerden.
Mit einem klaren Zeichen für Hoffnung, Zusammenhalt und Menschenwürde rufen die großen Kirchen zur Beteiligung an der 51. Interkulturellen Woche auf. Der bundesweite Auftakt fand am vergangenen Sonntag in der Thomaskirche in Leipzig statt, im Landkreis Görlitz war in Neugersdorf der offizielle „Start“. Wenn wir das Programm unseres Landkreises durchblättern (>), zählen wir über 70 Veranstaltungen, aber nur wenige aus dem kirchlichen Bereich – obwohl diese Tradition vor über 50 Jahren im Raum der Kirchen ihre Wurzeln hat. Geblieben ist aber ein aktuelles „Gemeinsames Wort“ der Evangelischen, Katholischen und Orthodoxen Kirche in Deutschland (>).
Unter dem Motto „Dafür!“ lädt die Interkulturelle Woche dazu ein, Zusammenleben konkret zu erfahren: bei Veranstaltungen, Gottesdiensten, Gesprächen, Kultur- und Bildungsangeboten in ganz Deutschland. Gerade in einer Zeit, die von Kriegen, gesellschaftlicher Unsicherheit und wachsenden Zukunftsängsten geprägt ist – und in einem Jahr, in dem auch die Landtags- und Kommunalwahlen besondere Aufmerksamkeit auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt lenken. „Wir sind dafür, der Angst und Spaltung klar zu widerstehen. Wir sind dafür, in Mitmenschlichkeit zusammenzuleben – im persönlichen Lebensumfeld, in unserem Land und mit der weltweiten Menschheitsfamilie“, betonen Bischöfin Kirsten Fehrs, Bischof Heiner Wilmer und Metropolit Augoustinos. Das Motto sei Ausdruck einer Hoffnung, die aus dem Glauben wachse – aus dem Vertrauen auf Gottes Zusage: „Sei stark und mutig! Lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst“ (Josua 1,9).
Mit Blick auf die wachsende Zustimmung für völkisch-nationalistische Kräfte bei den diesjährigen Wahlen warnen die Kirchen vor einer Schwächung demokratischer Strukturen, dem Verlust von Solidarität und einer zunehmenden Ausgrenzung von Menschen: „Gerade jetzt gilt es, klar Haltung zu zeigen, Menschenwürde zu schützen und sich nicht bange machen zu lassen. Christlicher Glaube heißt, an der Seite der Schwachen und Schutzsuchenden zu stehen – unabhängig davon, woher sie kommen oder warum sie fliehen mussten.“
Auch mit Blick auf die europäische Asylpolitik machen die Kirchen deutlich: Wer Schutz sucht, braucht faire Verfahren, sichere Orte und menschenwürdige Aufnahmebedingungen. Das gilt besonders für Kinder und Familien. „Unser entschiedenes ‚Dafür!‘ ist ein Bekenntnis zu Frieden, Respekt und echter Begegnung. Niemand hat das Recht, sich über einen anderen Menschen zu erheben“, betonen die drei Geistlichen.
Ich denke, wir haben in unserem Kirchenkreis noch viel Luft nach oben, um die IKW wieder neu zu entdecken – zur Anregung für unsere Kirchengemeinden. Jesus sagte nicht: „Bleibt neutral und tatenlos!“, sondern: „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz nicht mehr salzt … ist es zu nichts mehr nütze …“ (Mt 5,13). Also, mir schmeckt ein Butterbrot erst richtig mit Salz …
Pfarrer Jörg Michel
Ev. Gesamtkirchengemeinde Markersdorf – Königshain













