Jahreslosung 2026:
Gott spricht: Siehe ich mache alles neu. (Offb. 21, 5)
In unserem Familiengottesdienst in Görlitz-Rauschwalde am vergangenen Sonntag (1. März) stand, noch einmal, die Jahreslosung im Mittelpunkt. „Noch einmal“? - das klingt irgendwie unpassend, hat doch gerade erst der dritte Monat begonnen, die Jahreslosung gilt jedoch, wie der Name schon sagt, das ganzes Jahr! Stimmt. Aber oftmals wird die Beschäftigung mit der Jahreslosung schon im Januar abgehakt. Das meine ich, weil es mir oft selbst so passiert ist.
Diesmal fällt mir auf: Die Jahreslosung 2026 aus der Offenbarung des Johannes passt sehr wohl in den Monat März. Gerade jetzt, da wir die ersten warmen Tage hatten und es so viel neues zu entdecken gibt. Auf unserer Wiese vorm Haus sind es vor allem die Krokusse, die mir bunt entgegenleuchten und uns bestätigen: Alles wird neu! Bloß gut, dass der Schöpfer es so eingerichtet hat - „solange die Erde steht …“ Wenn es in der Hand von uns Menschen läge, in der Hand von Politik und Koalitionen, von Wirtschaft, Managern und Ämtern, wäre es wohl nicht so sicher, ob die Märzenbecher tatsächlich im März blühen. Von dem „Neu-Machen“ ist jetzt viel zu spüren, hoffnungsvoll und trostreich. Unabhängig von uns Menschen, losgelöst von all dem, was „alt“ bleibt, obschon es längst erneuerungsbedürftig ist. Dem Neuen steht das entgegen, was uns in den Nachrichten tagtäglich erreicht: Alte Konflikte, alter Hass, alte Modelle der Konfliktbewältigung, alte Feindschaften. Das zehrt enorm an den Kräften, es lässt mich wanken und flehen: Gott, schaffe doch auch das Neue in unseren Gesellschaften, im Miteinander der Völker. Ich möchte so gern, dass das „Siehe“ der Jahreslosung sich nicht nur auf die Natur bezieht.
Na klar: ich sehe auch gute Ansätze. Zum Beispiel der Weltgebetstag in dieser Woche. Er entstammt ja der aus zwei Weltkriegen gewonnenen Einsicht, dass wir uns nicht mehr gegenseitig bekriegen dürfen. Ein neuer Anfang damals, 1927 und 1947. Aber man kann sich mitunter des Eindrucks nicht erwehren, dass all die guten Ansätze nach und nach zerbröseln. Jeder kämpft gegen das Böse, aus der je eigenen Sicht ist das jeweils völlig stimmig, so wie es schon immer war. Das Neue ist auf dem Rückzug. Ich möchte lieber ein Pessimist sein, um nicht ständig widerlegt zu werden.
Die Jahreslosung gilt für ein ganzes Jahr. Und darüber hinaus, denn das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit. Sie gilt mir, wenn ich drohe, im Pessimismus zu versinken. Denn der Frühling ist nur ein Bild für das, was Gott schafft, wenn er diese Welt einst vom Bösen erlösen wird. Ein Bild, dass mir Mut macht, in dieser zerstrittenen Welt zu leben und zu wirken - möglichst in die Richtung, die Gott weist, wenn er sagt: Alles wird dann anders sein, keine Tränen, keine Schmerzen, kein Krieg mehr, nur noch Frieden.