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Ein anderes Feuer
Feuer ist in diesen Monaten kein harmloses Bild. Wer davon hört, denkt vielleicht nicht zuerst an Kerzenschein, Lagerfeuer oder Grillabende. Näher liegen Hitze und Trockenheit, brennende Wälder, Nachrichtenbilder von Menschen, die vor den Flammen fliehen müssen, und die Sorge um Tiere, Landschaften und Lebensräume, die verwundet zurückbleiben.
Auch für dieses Jahr blicken Fachleute mit Sorge auf die kommenden Monate. Die Weltorganisation für Meteorologie rechnet damit, dass sich ab Mitte 2026 ein El-Niño-Ereignis entwickeln könnte, das weltweit Temperatur- und Niederschlagsmuster beeinflusst. Zugleich warnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor erhöhten Risiken durch Hitze, Dürre und Waldbrände in verschiedenen Regionen der Erde.
Da klingt es fast gewagt, dass Pfingsten ausgerechnet mit Feuer verbunden ist.
Die Bibel erzählt: Die Jüngerinnen und Jünger sind beieinander. Da kommt ein Brausen vom Himmel, wie von einem gewaltigen Wind. Dann erscheinen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer. Sie setzen sich auf jede und jeden von ihnen. Alle werden erfüllt vom Heiligen Geist.
Dieses Feuer zerstört nicht. Es frisst sich nicht durch Wälder und Häuser. Den Menschen nimmt es nicht den Atem. Im Gegenteil: Es schenkt ihnen neuen Atem. Aus Angst wird Mut. Verschlossene Türen öffnen sich. Sprachlosigkeit verwandelt sich in Worte, die andere erreichen.
Pfingsten erzählt von einem anderen Feuer.
Auch unter uns gibt es Feuer, die zerstören können. Worte können brennen. Streit breitet sich manchmal aus wie ein Funke im trockenen Gras. Angst verzehrt. Gleichgültigkeit macht das Leben kalt und hart. Oft merken wir erst spät, wie viel schon versengt ist: Vertrauen, Hoffnung, Gemeinschaft.
Der Heilige Geist aber entzündet ein Feuer, das nicht vernichtet, sondern wärmt. Seine Kraft macht harte Herzen weich. Sie bringt Menschen nicht gegeneinander auf, sondern führt sie zueinander. Es ist das Feuer der Liebe Gottes, die berührt und verändert.
Gerade in diesem Jahr brauchen wir vielleicht dieses andere Feuer. Keine weitere Erhitzung. Keine gereizten Worte. Keine Angst, die alles bestimmt. Sondern Gottes Geist, der besonnen macht und zugleich mutig. Ein Geist, der die Augen öffnet für die Verletzlichkeit seiner Schöpfung. Der Hände stärkt, die helfen, statt nur zu klagen. Der Herzen entzündet: nicht vor Zorn, sondern vor Liebe.
Pfingsten ist keine Flucht aus dieser Welt. Gottes Geist schickt uns mitten hinein: in unsere Häuser und Nachbarschaften, in unsere Gemeinde, zu Menschen, die Trost brauchen, zu denen, die müde geworden sind, und zu einer Schöpfung, die unsere Fürsorge braucht.
Das Pfingstfeuer hinterlässt keine Asche. Zurück bleiben Menschen, die aufstehen, beten und handeln. Menschen, die einander verstehen lernen und die Gottes Hoffnung weitertragen.
So feiern wir Pfingsten: als Fest des Heiligen Geistes, als Geburtstag der Kirche und als Bitte um ein Feuer, das Leben schützt und stärkt.
Komm, Heiliger Geist, entzünde in uns dein Feuer. Eines, das wärmt, tröstet und mutig macht. Damit diese Welt nicht kälter wird, sondern heller.
Pfarrer Kevin Houghton Evangelische Versöhnungskirchengemeinde Görlitz
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