Seit 2007 wohnt das Ehepaar Müller in Nieder Seifersdorf. Seitdem kann man in einer ehemaligen Schmiede Krippen aus verschiedenen Materialien und aus unterschiedlichen Ländern bewundern. In diesem Jahr zeigt die Familie Müller die Krippen zum letzten Mal.
Auf Ihrem Plakat zur Krippenausstellung steht, dass die Krippen dieses Jahr zum letzten Mal in Nieder Seifersdorf zu sehen sind. Viele fragen sich nun: Wo kann man die Krippen im nächsten Jahr anschauen? Haben Sie schon einen festen Ort – und dürfen Sie ihn bereits verraten?
Ja, wir sind mit der Planung schon ziemlich weit. Vorgesehen ist die Jänkendorfer Kirche. Sie ist groß, bietet viel Platz und hat vor allem ein Fensterbild über dem Altar, dass selbst eine Krippendarstellung zeigt. Dadurch kam ich auf die Idee, meine Sammlung dort – unter den Emporen – zu präsentieren. Was genau möglich sein wird, wissen wir noch nicht, aber der Denkmalschutz hat bereits zugestimmt, dass wir einige Veränderungen vornehmen dürfen.
Warum geben Sie die Krippen an die Kirche in Jänkendorf weiter?
Aus Altersgründen – und weil ich den neuen Platz gern noch aktiv mitgestalten möchte.
Gibt es eine Krippe, die Ihnen besonders am Herzen liegt?
Ja, eine Krippe, die ich schon aus meiner Kindheit kenne. Mein Vater brachte sie 1948 in unsere Familie. Sie stammt vom erstklassigen Holzschnitzer Max Schanz. Ihre Darstellung heißt „Und sie kamen eilend“ – Hirten, die sich beeilen, zur Krippe zu gelangen. Dieses Thema begleitet mich bis heute, weil ich selbst ein eher eiliger Mensch bin und oft schnell hinüberrennen muss, um zu heizen oder Besucher zu empfangen. „Eilig zur Krippe gehen“ – das gehört zu mir.
Woher stammen Ihre Krippen?
Viele habe ich geschenkt bekommen. Andere habe ich auf Reisen im Ausland entdeckt. Als wir noch nicht so viele hatten, haben wir z. B. in England, Tschechien oder Polen Krippen gekauft. Später wussten viele, dass ich sammle, und haben mir aus aller Welt welche mitgebracht. Auch der Eine-Weltladen in Weißwasser hat uns oft geholfen – mein Mann hat dort häufig Krippen gekauft, weil er wusste, dass er mir damit eine Freude machen kann. Erst vor zwei Tagen (Stand 10.12.2025) habe ich eine Krippe aus der Ukraine bekommen – das 49. Land, aus dem etwas dazukam. Insgesamt sind es inzwischen über 360 Krippen.
Warum sammeln Sie Krippen?
Ich liebe Krippen seit meiner Kindheit. Sie erzählen vom Glauben, der dahintersteht. Jede gestaltete Krippe ist ein kleines Glaubenszeugnis. In katholischen Gegenden haben die drei Könige oft eine große Bedeutung, während in vielen protestantischen Ländern die einfachen Hirten und Bauern im Mittelpunkt stehen. Das liegt mir sehr – obwohl mich alle Darstellungen interessieren, weil jede etwas von ihrem Glauben ausdrückt.
Hat eine Ihrer Krippen eine besondere Geschichte?
Viele Krippen haben ihre eigene Geschichte, aber eine ist mir besonders in Erinnerung. Damals hatten wir unser altes Grundstück neu aufgebaut, und finanziell war es manchmal knapp. Ich bat meinen Mann daher, mir keine große Krippe zu schenken. Zunächst brachte er mir eine kleine – doch als ich später vor die Haustür trat, stand dort ein großer Karton. Darin lag eine wunderschöne peruanische Krippe. Ich musste lange überlegen, wer mir die Krippe wohl hingestellt hatte.
Es stellte sich später heraus, dass mein Mann sie mir im Weltladen in Weißwasser gekauft hatte. Er traute sich jedoch nicht, es mir vorher zu sagen. Trotzdem war ich ihm sehr dankbar für diese Überraschung.
Gab es auch eine Krippe, die schwer zu bekommen war?
Ja, eine Oberlin-Krippe, die ich schon lange im Blick hatte – eine getöpferte Krippe, die ich und viele meiner Bekannten noch aus unserer Kindheit kannten. Ich hatte sie mir schon einmal für eine Ausstellung ausgeborgt, aber selbst war sie mir zu teuer. Während der Corona-Zeit kamen sehr viele Journalisten, um mit mir Interviews zu führen. Eine Görlitzerin schickte sogar ihren Zeitungsartikel über unsere Ausstellung nach Mecklenburg. Dort las ihn eine Frau, die zwei Oberlin-Krippen besaß – und sie bot mir eine an. So habe ich sie schließlich doch bekommen.
Haben Sie einen Wunsch für die Zukunft?
Ich wünsche mir sehr, dass in der Jänkendorfer Kirche auch andere Sammler ihre Krippen abgeben – und dass dort eine richtige Weihnachtskrippenkirche entsteht.
Danke für das Gespräch.
Interview geführt von Małgorzata Pyzik
Die Krippenausstellung ist im Advent jeweils samstags und sonntags und vom 26. bis 30. Dezember 2025 und am 3. Januar jeweils von 14:30 bis 17:30 Uhr, sowie nach Absprache bis Ende Februar zu besichtigen.
Auch Gruppen sind herzlich willkommen.
Alle Besucher sind herzlich eingeladen zur letzten Andacht am Neujahrstag um 15:30 Uhr. Thema: „In jedem Abschied wohnt ein Anfang“.
Telefon: 03582778264
Adresse: Arnsdorferstraße 25, 02906 Waldhufen









