
Vom ersten Ausprobieren der Instrumente seines Großvaters bis zur Verantwortung für die Kirchenmusik im ganzen Kirchenkreis: Fabian Kiupel verbindet Leidenschaft für die Orgel mit der Freude an der Arbeit mit Menschen. Im Gespräch erzählt er von seinen musikalischen Anfängen, seiner Motivation für die Kirchenmusik und von Ideen und Projekten für die Zukunft.
Fabian Kiupel als kleines Kind – hat dich Musik schon immer begleitet? Welche Instrumente hast du gespielt?
Ich erinnere mich, dass ich schon früh großes Interesse an Musik hatte. Mein Großvater hatte mehrere Instrumente – eine Tuba, eine Trompete und eine Heimorgel. Diese Instrumente haben mich als Kind sehr fasziniert. Mein Großvater ist gestorben, als ich ungefähr drei Jahre alt war, aber die Erinnerung an ihn verbinde ich bis heute mit diesen Instrumenten.
Einmal haben mich meine Großeltern auch zu einem Orgelkonzert mitgenommen. Das war für mich ein besonderes Erlebnis, und ich erinnere mich, dass mir die Musik sehr gefallen hat. Vielleicht ist damals auch der Wunsch entstanden, selbst einmal Orgel zu spielen.
Auch in der Schule habe ich im Musikunterricht immer sehr gern mitgemacht, und schon im Kindergarten habe ich gerne gesungen. Wenn irgendwo ein Instrument stand, wollte ich es unbedingt ausprobieren.
Warum hast du dich für Kirchenmusik entschieden?
Ich denke, der Weg zur Kirchenmusik führte bei mir über die Orgel. Als ich dieses Instrument entdeckt habe, hat es mich sofort berührt, und der Wunsch, selbst Orgel zu spielen, ist immer stärker geworden. Zunächst hatte ich Klavierunterricht, später bekam ich auch Orgelunterricht in Bautzen.
Dort habe ich schließlich meine D-Ausbildung im Orgelspiel gemacht. Der damalige Domkantor hat mich angesprochen und gefragt, ob ich mir auch eine Ausbildung in Chorleitung vorstellen könnte. Ich habe damals bereits im Chor mitgesungen, und er hat wohl gemerkt, dass ich Freude daran habe und gern mit Menschen arbeite.
So habe ich die Chorleitung ausprobiert und schnell gemerkt, dass mir das sehr gefällt. Mit der Zeit konnte ich mir immer besser vorstellen, diesen Weg weiterzugehen und Kirchenmusiker zu werden. So hat sich das Schritt für Schritt entwickelt – von der Orgel über die Chorarbeit zur Kirchenmusik als Berufung.
Vom Regionalkantor zum Kreiskantor – was bedeutet diese Aufgabe für dich?
Als ich angefangen habe zu studieren, hatte ich noch ein anderes Bild vom Beruf des Kirchenmusikers. Man stellte sich vor, später an einer Kirche mit einer Gemeinde zu arbeiten und an einer schönen Orgel zu spielen. Dieses Bild hat sich jedoch relativ schnell verändert, weil sich auch die Strukturen in der Kirche gewandelt haben. Heute arbeitet man meist nicht mehr nur an einer einzelnen Kirche.
Deshalb habe ich mich später für eine Stelle als Regionalkantor beworben. Dabei geht es darum, im Team zu arbeiten, gemeinsam Projekte zu entwickeln und viele Menschen mit einzubeziehen. Für mich ist das auch der Schritt hin zum Kreiskantorat.
Als Kreiskantor sehe ich meine Aufgabe vor allem darin, Menschen zu vernetzen, Potenziale im Kirchenkreis zu entdecken und Projekte zu unterstützen. In den letzten Jahren haben wir zum Beispiel Kindermusicals, Gospelworkshops, Oratorien und das Weihnachtsoratorium aufgeführt. Solche Projekte möchte ich gerne weiterführen.
Kirchenmusik hat auch eine starke Wirkung nach außen. Sie bringt nicht nur Menschen in unseren Gemeinden zusammen, sondern erreicht auch viele, die sonst wenig Kontakt zur Kirche haben. Gleichzeitig bereichert sie das kulturelle Leben in der Stadt und in den Dörfern und zeigt, dass Kirche mehr ist als nur der Sonntag.
Welche Menschen möchtest du besonders erreichen?
Vor allem Kinder und Jugendliche. Es begeistert mich, wenn wir schon bei jungen Menschen die Freude an der Musik wecken können. Dabei geht es nicht nur darum, dass unsere Chöre wachsen. Vielmehr haben die Menschen ihr ganzes Leben etwas von der Musik, wenn sie diese Leidenschaft einmal entdeckt haben. Vielleicht finden sie später auch immer wieder den Weg zu unseren Projekten und Chören zurück. Gerade die Orgel kann für Kinder und Jugendliche sehr spannend sein, weil sie ein so großes und faszinierendes Instrument ist. Dieses Potenzial möchte ich besonders nutzen.
Welche Projekte möchtest du in Zukunft verwirklichen?
Es gibt viele Ideen. Besonders mit der Orgel lassen sich spannende Projekte realisieren, zum Beispiel Konzerte mit Lichtinstallationen oder in Kombination mit anderen Instrumenten. Auch im Chorbereich möchte ich verschiedene Oratorien und moderne Kompositionen aufführen.
Unsere Kirchenräume bieten ebenfalls viele Möglichkeiten. Man könnte zum Beispiel Nachtkonzerte in der Kirche veranstalten oder Konzerte an ungewöhnlichen Orten – etwa in einem Einkaufszentrum – um neue Menschen zu erreichen. Ich versuche immer, über die gewohnten Grenzen hinauszudenken und sowohl unsere Kirchenräume als auch andere Orte einzubeziehen.
Ein schönes Beispiel ist das gemeinsame Singen von „Stille Nacht“ auf der Altstadtbrücke in der Woche vor Weihnachten. Solche Aktionen können eine Inspiration sein – ähnliche Projekte könnte ich mir auch gemeinsam mit der Stadt gut vorstellen.
Möchtest du auch moderne Musik in die Kirchenmusik einbringen?
Ja, auf jeden Fall. Schon als Regionalkantor habe ich versucht, offen für verschiedene Musikrichtungen zu sein. Natürlich liebe ich die Musik von Johann Sebastian Bach, aber ich interessiere mich genauso für neue Musik. Es gibt viele moderne Kompositionen für Chor und Orgel, die Elemente aus Gospel oder Pop aufnehmen. Dafür bin ich sehr offen. Wir planen zum Beispiel einen Konfirmationsgottesdienst mit Band. Das ist ein erster Schritt, um zu sehen, wie die Gemeinde auf solche musikalischen Formen reagiert.
Du möchtest neue Akzente setzen. Welche Projekte deiner Vorgänger möchtest du weiterführen?
Auf jeden Fall die Arbeit mit dem Bachchor. Dieses Ensemble ist über viele Jahre gewachsen und besteht aus Sängerinnen und Sängern aus Görlitz und dem ganzen Kirchenkreis. Sie treffen sich regelmäßig, um die Musik von Johann Sebastian Bach zu pflegen. Diese Arbeit möchte ich unbedingt weiterführen. Auch im Bereich der Orgelmusik gibt es ein treues Konzertpublikum, das ich gerne weiter ansprechen und erweitern möchte. Ich bin sehr dankbar für das, was in Görlitz in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut wurde, und möchte auf diesem Fundament weiterarbeiten.
Auf welchen Orgeln spielst du besonders gern?
Das ist schwer zu sagen, denn wir haben im Kirchenkreis viele wunderbare Orgeln. Jede hat ihren eigenen Charakter. Manchmal ist es die Klangfarbe, manchmal die besondere Verbindung zwischen Instrument und Raum. Besonders beeindruckend ist natürlich die Sonnenorgel in der Peterskirche mit ihrer großen Farbpalette an Registern. Aber auch die Orgel in der Hoffnungskirche in Königshufen mag ich sehr – sie hat einen schönen romantischen Klang. Auch die Ladegast‑Orgel in Reichenbach gefällt mir sehr. Außerdem besitzen viele Kirchen Orgeln der schlesischen Orgelbauer Schlag & Söhne, und jede dieser Orgeln hat ihren eigenen, liebenswerten Klang. Insgesamt sind wir im Kirchenkreis wirklich gesegnet mit unseren Instrumenten.
Welche nächsten Schritte und Planungen hast du für die Zukunft?
Ich möchte gerne wieder einen D‑Kurs für kirchenmusikalische Ausbildung initiieren. In den letzten Jahren konnten wir bereits viele Menschen ausbilden, und diese Arbeit möchte ich fortsetzen und weiterentwickeln. Wichtig ist mir auch, dass die offenen Kirchenmusikerstellen im Kirchenkreis wieder besetzt werden – aktuell in den Regionen Görlitz, Weißwasser sowie Hoyerswerda/Ruhland. Ein starkes Team ist entscheidend, um gemeinsam Projekte zu entwickeln. Außerdem freue ich mich auf den Austausch mit vielen Menschen, zum Beispiel auf der Kreissynode. Dort kann man hören, welche Bedürfnisse es gibt und wie wir unsere Arbeit als Kirchenmusiker weiter unterstützen können. Musikalisch steht ebenfalls viel an: In der Peterskirche planen wir einen Orgelsommer mit verschiedenen Konzerten – etwa Orgel und Orchester oder Orgel und Stummfilm. Mit dem Bachchor sind zwei Programme geplant, darunter das Weihnachtsoratorium und ein modernes Werk eines zeitgenössischen Komponisten. Am Ende des Jahres möchten wir außerdem ein Mitsingprojekt veranstalten, bei dem vom 25. bis 27. Dezember drei Kantaten aus Bachs Weihnachtsoratorium aufgeführt werden.
Danke für das Gespräch.
Interview durchgeführt von Malgorzata Pyzik
