
Text: Andreas Kirschke
In sieben Kirchen mit insgesamt 18 Glocken hat er über vier Jahrzehnte hinweg Gottes Wort verkündet. Zur Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Mittellausitz gehören rund 1.400 Christen. Würde Pfarrer Gerd Simmank alle Orte nacheinander anfahren, kämen täglich etwa 54 Kilometer zusammen.
„Das ist eigentlich nicht zu schaffen“, sagt er. „Es geht nur durch gute Organisation, durch Gottes Gnade und tiefes Vertrauen – und durch die Unterstützung meiner Frau Monika sowie vieler engagierter Ehrenamtlicher.“
Der Pfarrdienst ist vielseitig und anspruchsvoll: Verkündigung, Seelsorge, Christenlehre, Bauvorhaben, Friedhofsverwaltung – bis hin zu Arbeitsschutz und Datenschutz. „Ein Pfarrer muss ansprechbar sein und trägt sehr viel Verantwortung in seinem Beruf.“
Aufgewachsen in Hosena, wurde Gerd Simmank am Ostermontag 1960 getauft und zu Pfingsten 1975 konfirmiert. Sein Konfirmationsspruch aus Psalm 26,8 – „Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt“ – begleitet ihn bis heute.
Geprägt wurde er im Glauben besonders durch seine Urgroßeltern Anna und Paul Hoffmann sowie seine Großeltern Gertrud und Max Simmank. Auch Küsterin Johanna Guske aus Hosena führte ihn früh in die Liturgie und den Kirchenraum ein.
Sein ursprünglicher Berufswunsch war Konditor. Stattdessen erlernte er den Beruf des Zimmermanns im Holzbau Sebnitz, Baustelle Schwarze Pumpe und arbeitete später im Glassandwerk Hosena als Betriebshandwerker.
„Ich hatte Glück, in Hosena bleiben zu können und nicht auf Montage zu müssen“, sagt er über diese Zeit.
Bereits früh entdeckte er seine Liebe zur Kirchenmusik. Er spielte Trompete im Posaunenchor, sang im Kirchenchor und begleitete Gottesdienste und Beerdigungen an der Orgel.
Entscheidenden Einfluss hatte sein Konfirmator, Pfarrer Hans-Dieter Hain, dessen lebensnahe und tiefgründige Predigten ihn stark prägten.
„Er predigte lebensnah und hat die Bibeltexte stets anschaulich ausgelegt und in die aktuelle Zeit hinein für sich sprechen lassen. Das berührte mich immer wieder von Neuem. Mein Konfirmator (1969–1986 Pfarrer in Hosena) war für mich nicht nur mein Pfarrer, sondern auch Freund und geistlicher Begleiter“, schilderte Gerd Simmank.
In Gerd Simmank reifte der Wunsch, selbst eines Tages Pfarrer zu werden. Bei einem Kindernachmittag in der Kapelle Heide spürte er diesen Ruf wie ein tiefes Zeichen.
„Das war ein Zeichen für mich – und ich bin diesem Ruf von Gott gefolgt“, erzählt er nachdenklich. „ER hat mich durch alle Prüfungen im Leben, auch durch dunkle und schwierige Stunden und durch Anfechtungen hindurch immer wieder ermutigt.“
Nach dem Theologiestudium am Theologischen Seminar Paulinum in Berlin und dem Vikariat bei Pfarrer Wilfried Baier in Markersdorf am Fuße der Landeskrone kam Gerd Simmank am 1. Juli 1986 nach Laubusch.
Als Pfarrvikar feierte er 14-tägig Gottesdienst in Laubusch und Schwarzkollm. In dieser Zeit besuchte er das Predigerseminar in Brandenburg (Havel), bevor er 1987 sein zweites theologisches Examen in Görlitz ablegte.
Gemeinsam mit seinem Studienkollegen Matthias Loyal wurde er im November 1987 in der Johanneskirche Hoyerswerda durch Bischof Prof. Dr. Dr. Joachim Rogge ordiniert.
Sein Dienst begann in Laubusch, wo umfangreiche Sanierungsarbeiten an der Barbarakirche notwendig waren. Dringend notwendig war vor allem die Innensanierung. Heizung, Glockengeläut und der Fußboden mussten erneuert werden.
Mit großem Engagement und Unterstützung vieler Helfer, auch von Nichtchristen aus dem Braunkohlenwerk „Glück Auf“, wurden Kirche und Gemeinde neu belebt.
Laubusch war kein einfaches Pflaster, denn der Sozialismus und der üppige Kohlenruß waren täglich präsent.
In Geierswalde-Tätzschwitz übernahm Gerd Simmank 1991 die Vakanzvertretung. Die Kirche in Geierswalde drohte durch die veränderte Bodenstruktur des nahegelegenen Tagebaus auseinanderzubrechen.
„Auch hier mussten wir dringend handeln. Das hat mich viele schlaflose Nächte gekostet“, erinnert sich der Pfarrer. „Durch große und umfangreiche Bautätigkeiten konnten wir die Kirche wieder stabilisieren. Wie durch ein Wunder blieb sie erhalten.“
In den Jahren 1989 bis 1994 gelang in Schwarzkollm die Innen- und Außensanierung der Marienkirche.
2004 kam die Kirchengemeinde Bernsdorf als Vakanz dazu. Auch hier musste umfangreich gebaut werden: 2005 die Johanneskirche, 2006 die Friedhofskirche, 2008/09 das Gemeindehaus. Das Pfarrhaus, welches nicht mehr gebraucht wurde, konnte Gott sei Dank verkauft werden.
Im Jahr 2008 übernahm er die Vakanzen der Kirchengemeinden Hohenbocka und Hosena. So musste auch dort wieder viel gebaut werden: 2010 die Innenrestaurierung der alten Magdalenenkirche Hohenbocka, 2011 bis 2013 die umfangreiche Restaurierung der Christuskirche in Hosena.
Durch seine Leidenschaft für Musik ließ ihn das Schicksal der alten Orgeln nicht in Ruhe. Bei fünf Orgeln, die eine totale Erneuerung brauchten, hat er mit seiner Frau alle Holz- und Metallpfeifen gereinigt, um die Kosten der Restaurierung so gering wie möglich zu halten.
„Ich wollte eigentlich kein Baupfarrer werden, aber es ließ mich nicht los, wenn Kirchen in einem sehr schlechten Zustand sind, denn Kirchen müssen bereits predigen, bevor die Predigt auf der Kanzel beginnt.“
So war er oft Initiator und Baubegleiter mit Ideen und handwerklichem Wissen.
Es blieb nicht bei der Betreuung der genannten Gemeinden. 2020 kam noch die Vakanz zweier ehemaliger Gemeinden aus dem Kirchenkreis Senftenberg-Spremberg dazu – Lauta-Dorf und Lautawerk. Auch hier mussten umfangreiche Bauaufgaben bei der Instandsetzung des Pfarr- und Gemeindehauses Lauta-Dorf vollbracht werden.
Nach drei Gemeindebildungen aufgrund des Kirchengesetzes, welches festlegt, dass eine Gemeinde unter 300 Gemeindegliedern nicht selbstständig bleiben darf, wurde abschließend die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Mittellausitz mit den Ortskirchen Bernsdorf, Hohenbocka, Hosena, Lauta-Dorf, Lauta-Stadt und Laubusch im Jahr 2025 gegründet.
Sieben Kirchtürme gehören dazu und bei vier Kirchen, die namenlos waren, durfte ich mit den Gemeinden einen Namen aussuchen. Eine Großgemeinde auf der Grenze der Nieder- und Oberlausitz und dazu noch in den Bundesländern Brandenburg und Sachsen wurde gegründet.
„Das war ein Verwaltungsmarathon“, sagte Gerd Simmank dazu.
Neben seiner Gemeindearbeit war Gerd Simmank in zahlreichen überregionalen Funktionen tätig: 25 Jahre als Kreissynodalrechner der Kreissynode Hoyerswerda, stellvertretender Superintendent im Kirchenkreis Hoyerswerda, 20 Jahre Datenschutzbeauftragter der Landeskirchen EKsOL und EKBO sowie als ehrenamtlicher Richter am Kirchlichen Verwaltungsgericht der EKD.
Zu alledem war er 15 Jahre Religionslehrer an verschiedenen Gymnasien und Mittelschulen.
Seine schlesischen Glaubenswurzeln führten ihn auch in die Verantwortung des Vorstandes der Gemeinschaft evangelischer Schlesier (Hilfskomitee) e. V.
Auch die Medienarbeit lag ihm am Herzen. 1991 gründete er den „Laubuscher Heimatkanal“, eine der ersten privatrechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland. Mit täglichen Morgenandachten, Berichten aus der Heimat und politischen Talkshows erreichte er über Jahre hinweg zahlreiche Zuschauer.
Durch die regionalen Berichte hatte der Kanal auch eine Chronikfunktion nach der Wiedervereinigung Deutschlands im Osten.
Doch bei allem sozialen Engagement – auch in der Funktion des stellvertretenden Bürgermeisters in Laubusch – standen für ihn immer die Menschen im Mittelpunkt.
Jährlich absolvierte er rund 150 Geburtstagsbesuche, spendete Krankenabendmahl und begleitete viele Lebenswege der Gemeindeglieder – im Gottesdienst, Unterricht, bei Gemeindekreisen, Ausflügen, in der Kirchenmusik, bei Beerdigungen und in der Mitarbeit bei zahlreichen Ortsjubiläen und kommunalen Festen sowie Partnerschaften nach Polen und Tschechien.
„Jeder Einzelne ist wichtig. Gottes Segen soll alle Menschen begleiten.“
Trotz rückläufiger Gemeindemitgliederzahlen – etwa in Laubusch von einst 416 auf heute rund 95 – blickt er hoffnungsvoll in die Zukunft.
Die Fusion zur Gesamtkirchengemeinde Mittellausitz im Jahr 2025 hat er aktiv gestaltet.
Wie er all das Pensum schafft?
„Getragen hat mich immer der Glaube an den Gott, der sich in der Heiligen Schrift offenbart hat, und die Unterstützung meiner Frau Monika. Sehr dankbar sind wir, dass vor zehn Jahren ein Austauschschüler aus Ecuador mit Namen Jesus in unsere Familie kam, der in Deutschland studierte und uns zu unserem Sohn Philipp-Emanuel ein zweiter Sohn wurde.“
„Die Kirche und die Liebe sind wunderbare Geschenke von Gott“, sagt Gerd Simmank. „In der Kirche finden Menschen Gemeinschaft – mit einer gemeinsamen Mitte, nämlich mit Gott in Jesus Christus.“
Nach 40 Jahren im Pfarrdienst geht Gerd Simmank Ende Juli in den Ruhestand. Er und seine Frau bleiben in Hosena wohnen.
Der Abschiedsgottesdienst findet am 28. Juni 2026 um 14:00 Uhr in der Barbarakirche in Laubusch statt. Anschließend wird zum Gemeindefest nach Lauta-Dorf eingeladen.
Wir danken Herrn Andreas Kirschke für die Genehmigung zur Veröffentlichung dieser Biografie.
