
Welche Ziele haben Sie sich für Ihr erstes Jahr an der Kreuzkirche gesetzt?
Mir wäre es wichtig, die „Gemeindelandkarte“ zu erforschen. Dazu gehören für mich u.a. das Gemeindegebiet mit dem Fahrrad abfahren (steht leider immer noch aus), Besuche machen, Kontakte knüpfen, Kreise kennenlernen, Abläufe und Traditionen wahrnehmen, in die Historie der Gemeinde hineinleuchten, administrative Abläufe verstehen lernen…kurz: Wissen sammeln und Gespür entwickeln.
Woran würden Sie nach Ihrem ersten Jahr merken: Ich bin hier angekommen, und wir sind als Gemeinde einen guten Schritt weitergekommen?
Ich glaube, das würde man z.B. an der Sprache merken. Wenn ich sage: „meine/unsere“ Gemeinde statt „die“ Gemeinde, oder wenn das ein oder andere Gemeindemitglied von „unserem“ Pfarrer spricht statt vom „Herrn Pfarrer“, dann wäre das ein erfreuliches Signal. Mittelpunkt meiner Arbeit sind unsere Gottesdienste, und es wäre schön, wenn wir uns nach einem Jahr aneinander „gewöhnt“ haben, es eine liturgische Sicherheit gibt und auch das ein oder andere neue Gemeindelied Eingang in unser Repertoire gefunden hat. Auch das Thema „Abendmahl“ könnte uns noch beschäftigen – hier zu guten Lösungen zu kommen hinsichtlich der Feier und einer möglichen Wiederaufnahme des Kinderabendmahls wäre gut.
Welche Idee für Kirche tragen Sie schon länger mit sich, die Sie an der Kreuzkirche gern zum ersten Mal ausprobieren würden?
Gute Frage. Es war ja vor allem meine erste Gemeinde, die für Verschiedenes schon „Versuchskaninchen“ sein durfte (oder musste!). Ideen und Wünsche fallen mir immer wieder ein… (ob Zeit zur Umsetzung da ist, ist noch eine ganz andere Frage). Zwei Ideen „spuken“ aber seit längerem in meinem Kopf: einmal ein jährlicher „Lektüretag“ für Interessierte zu ausgewählten Klassikern der christlich-spirituellen Literatur. Oder eine Wanderung z.B. im Isergebirge mit geistlichen Impulsen. Lust hätte ich auch wieder auf eine Gebetsnacht, eine Predigtreihe oder eine zeitgemäße Themenreihe zu wichtigen Punkten unseres Glaubens. Mich begleitet mitunter die Frage, welche Formate auch „mittelalten“ und jüngeren Menschen die Verbindung zur Gemeinde erleichtern. Hilfreich ist es natürlich, wenn Gemeindemitglieder Ideen einspeisen, und am besten gleich mit umsetzen! 😉
Gibt es eine Seite an Ihnen, etwa eine Leidenschaft, eine Gewohnheit oder ein Talent, die man aus Ihrem beruflichen Lebenslauf nicht kennenlernen würde?
Ich weiß gar nicht, wie ehrlich ich jetzt hier antworten sollte. 😊 Meine Hobbys/Gewohnheiten sind eher „pfarrertypisch“, schätze ich… . Ein kleines „Nebenhobby“ aber vermutlich nicht: Ich interessiere mich tatsächlich so ein bisschen für Militärgeschichte. Da darf es auch schon mal ein Buch sein über eine der großen Schlachten der Weltgeschichte. Oder schwarz-weiß-Fotografie, mache ich (in aller Laienhaftigkeit!) auch gerne – das ist aber in den vergangenen Jahren fehlender Muße zum Opfer gefallen. Görlitz bietet da aber sehr viele schöne, interessante Motive und Perspektiven! Vielleicht wird´s ja wieder…
Der Einführungsgottesdienst für Pfarrer Jonathan Hahn findet am 4. Oktober 2026 um 14:00 Uhr in der Evangelischen Kreuzkirche Görlitz statt.
Das Gespräch führte Malgorzata Pyzik.
