
Sie sind in Leipzig aufgewachsen und haben später in Dresden studiert. Was hat Sie hier in die Region geführt?
Mich haben die Familie und die berufliche Laufbahn meines Partners in die Region geführt. Außerdem finde ich bemerkenswert, wie die EKBO Regionalstellen aufbaut und damit neue Zugänge zu Kirche und Gemeinde über die Musik schafft.
Haben Sie sich hier schon eingelebt?
Eingelebt habe ich mich noch nicht ganz. Ich denke, das braucht noch eine Zeit. Da ich direkt nach meinem Abschluss des Studiums und mitten im Umzug in der neuen Stelle angefangen habe, ist alles schlagartig aufeinandergekommen, und ich versuche, die Eindrücke erst einmal alle aufzunehmen. Entdeckt habe ich wirklich schöne und aktive Dörfer mit Kultur und Ideen und eine herrliche Natur.
Sie haben einen Jugendchor geleitet. Was brauchen junge Menschen, damit sie Freude am gemeinsamen Singen finden?
Jugendliche brauchen Verständnis und Geduld. Da ich selbst noch nicht viel älter bin, als manche der Sänger es waren, schaffe ich eine Ebene des Miteinanders, die auf Respekt und Freundschaft gleichermaßen beruht. Die Jugendlichen wollen nicht unterfordert werden, sondern dazulernen und durchaus anspruchsvolle Literatur singen. Damit fühlen sie sich wertgeschätzt. Aber auch Spiel und Spaß dürfen nicht fehlen. Die Freude am Singen kommt durch ein gutes Miteinander, sekundär ist dabei die Liedauswahl.
Sie haben auch die ökumenische Weinbergskantorei geleitet. Was war für Sie das Besondere am gemeinsamen Musizieren dort?
Das Besondere an der Weinbergskantorei ist ihre Entwicklung: wie aus einem zerrütteten Gefüge von Menschen ein Chor geworden ist, der motiviert an alle Projekte herangeht, auf Konzertreisen fährt und dabei gute Musik macht. Mit Gesangsunterricht und viel Geduld konnte ich die Stimmen sowohl menschlich als auch musikalisch wieder vereinen. Zahlreiche Projekte mit verschiedenen Musikgruppen aus Dresden oder anderen Städten, Partnerchören, der Staatsoperette oder mit Studenten prägten die Zeit, und ich selber durfte sehr viel lernen. Mein Highlight war die Aufführung von Jenkins’ Stabat Mater am letzten Karfreitag.
Was läuft bei Ihnen auf den Kopfhörern, wenn gerade niemand Kirchenmusik von Ihnen erwartet?
Meist Entspannungsmusik, um meine Ohrwürmer loszuwerden, aber auch sehr oft Voces 8 oder andere Ensembles, die großartige A-cappella-Musik machen. Mein Herz schlägt für die Chormusik, und das ist auch in meiner Freizeit so. Allerdings beschränkt sich diese ja nicht auf Kirchenmusik, sondern ist sehr vielseitig und farbenfroh.
Was machen Sie gern, wenn Sie einmal keine Musik machen?
Ich gehe gern in die Natur wandern mit meinem Hund oder tanzen, wenn ich mal zu den Veranstaltungen Zeit habe. Außerdem liebe ich auch alle anderen Formen des „Kunsthandwerkes“, vom Malen über Holzarbeiten bis hin zu allem, was mit Nadel, Faden oder Wolle zu tun hat.
Fragen stellte: Malgorzata Pyzik
