Bewährtes bewahren, gemeinsam wachsen – Ein Gespräch mit Pfarrer Alexander Stokowski

Herr Stokowski, erzählen Sie uns bitte kurz von Ihrem bisherigen Lebensweg: Wie sind Sie Pfarrer geworden, und wie führte Ihr Weg in den Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz?

Ich bin 1984 in Kattowitz in Polen geboren. 1988 zog meine Familie nach West-Berlin, wo ich in Neukölln und Zehlendorf aufgewachsen bin und 2003 das Abitur gemacht habe. Anschließend habe ich Evangelische Theologie in Münster, Bielefeld-Bethel und Jerusalem studiert. Nach dem Examen arbeitete ich drei Jahre lang in einem wissenschaftlichen Projekt zur Erforschung der Textüberlieferung der Johannesoffenbarung, bevor ich 2014 mein Vikariat in Lennestadt und Kirchhundem im südlichen Sauerland begann. Danach absolvierte ich noch ein Auslandsvikariat in der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen und wurde schließlich 2018 Pfarrer der EKBO.

Schon während meines Vikariats entstand bei mir der Wunsch, in der deutsch-polnischen Grenzregion zu leben und zu arbeiten. Insofern war es ein Glücksfall, dass ich im Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz eine Stelle im Entsendungsdienst antreten konnte. Ab 2018 übernahm ich verschiedene Vertretungs- und Unterstützungsdienste in Kirchengemeinden und arbeitete ab 2020 in der Geschäftsstelle für den Lausitz-Kirchentag mit. 2021 wurde mir eine kreiskirchliche Pfarrstelle übertragen, 2022 kam die Verantwortung für die Evangelische Kulturstiftung Görlitz hinzu.

Ich bin verheiratet und seit 2020 Vater einer Tochter.

Freuen Sie sich auf Ihre neue Aufgabe? Welche Pläne möchten Sie in der Gemeinde verwirklichen?

Ja, ich freue mich sehr auf meine Aufgaben als Pfarrer an Schöps und Neiße. Die Gesamtkirchengemeinde konnte ich ja bereits während meiner Zeit als Vakanzverwalter seit Anfang dieses Jahres kennenlernen. Dabei ist mir besonders aufgefallen, dass die vier Ortskirchen – Ebersbach,  Kunnersdorf, Ludwigsdorf und Zodel – in vielerlei Hinsicht wie eigenständige Kirchengemeinden funktionieren. Das ist gut nachvollziehbar, denn die einzelnen Ortskirchen haben ihre eigenen, über lange Zeit gewachsenen Strukturen und Traditionen. Die Zusammenarbeit über die Grenzen der einzelnen Ortskirchen hinweg braucht Zeit, um zu wachsen. Aber ich nehme wahr, dass sich hier bereits einiges entwickelt. Wenn es mir gelingt, dieses Zusammenwachsen zu unterstützen und dazu beizutragen, dass die Menschen das kirchliche Leben zwischen Schöps und Neiße immer stärker als gemeinsame Aufgabe begreifen, wäre das für mich ein Erfolg.

Ein neuer Pfarrer bringt auch frischen Wind in die Gemeinde. Welche neuen Impulse möchten Sie setzen?

Ich glaube, dass ein neuer Pfarrer ganz von selbst auch Veränderungen mit sich bringt. Schließlich bringt jeder seine eigene Persönlichkeit, seine Erfahrungen und seine Vorstellungen vom Pfarrdienst mit. Insofern wird manches sicherlich anders werden als bisher. Mir ist aber wichtig, zunächst einmal wahrzunehmen, was in den Gemeinden gewachsen ist, was sich bewährt hat und was den Menschen wichtig ist. Gute Traditionen möchte ich gerne fortführen.

Ein besonderes Anliegen sind mir die Gottesdienste. Ich wünsche mir, dass die Menschen dort etwas hören und erfahren, das ihnen auch in ihrem Alltag hilft. Denn der christliche Glaube hat etwas mit unserem Leben zu tun, mit unseren Sorgen und Hoffnungen, mit den Fragen und Schwierigkeiten, die uns beschäftigen. Es gibt genug Leid und Unfrieden in der Welt. Umso wichtiger ist mir die tröstende und befreiende Botschaft des Evangeliums. Ich bin überzeugt, dass der Glaube gerade auch in schwierigen Zeiten Trost und Zuversicht schenken kann. Und ich glaube, dass der Friede, von dem das Evangelium spricht, nicht nur uns selbst, sondern auch unser Zusammenleben verändern kann.

Wenn Sie in einem Jahr zurückblicken: Woran würden Sie erkennen und sagen können: „Jetzt bin ich hier angekommen“?

Ich glaube, das merkt man vor allem daran, dass man miteinander vertraut geworden ist. Wenn ich die Menschen in den Gemeinden besser kenne und weiß, was sie beschäftigt, und sie umgekehrt auch ein Gefühl dafür entwickelt haben, was für ein Mensch und Pfarrer ich bin, dann wäre schon viel erreicht. Wenn sich im Miteinander eine gewisse Selbstverständlichkeit entwickelt hat und wir gerne zusammenarbeiten, wäre das für mich ein gutes Zeichen, dass ich angekommen bin.


Herzliche Einladung zur Einführung von Pfarrer Alexander Stokowski in der Gesamtkirchengemeinde Schöps und Neiße am 8. November 2026 um 14:00 Uhr in der Evangelischen St.-Barbara-Kirche in Ebersbach.

Die Fragen stellte: Małgorzata Pyzik